3 Kommentare zu „14.01.26 Der eine #verachtet ihn – der andere will #PUTIN (!) sein #

      1. Problem der Verschiebung von Verantwortung

        Die Formulierung suggeriert, Putin werde zu Unrecht für geopolitische Entwicklungen verantwortlich gemacht. Das ist angreifbar, weil:
        • Putins Russland nachweislich eigenständige, aktive Entscheidungen getroffen hat
        (z. B. Angriff auf die Ukraine, Annexion der Krim, systematische Repression im Inneren).
        • Diese Handlungen sind keine bloßen Reaktionen, sondern Teil einer langfristigen Strategie.

        👉 Kritikpunkt: Die „Sündenbock“-Metapher relativiert konkrete politische Verantwortung.

        Vereinfachung in die Gegenrichtung

        Du kritisierst Vereinfachung – vereinfachst aber selbst:
        • Ja, westliche Politik ist nicht fehlerfrei (NATO-Erweiterung, Energieabhängigkeit, Doppelstandards).
        • Aber daraus folgt nicht, dass Putin primär Projektionsfläche fremder Schuld ist.

        👉 Kritikpunkt: Die Darstellung kippt von legitimer Systemkritik in personelle Entlastung.

        Rhetorische Wirkung: Implizite Parteinahme

        Begriffe wie

        „So ist es leider!“
        „SÜNDENBOCK“ (großgeschrieben)

        erzeugen emotional eine klare Stoßrichtung:
        • Sie laden den Leser ein, Mitleid oder Verständnis zu entwickeln.
        • Gleichzeitig delegitimieren sie Kritik an Putin als bloße Moralpanik oder Ablenkung.

        👉 Kritikpunkt: Die Wortwahl ist normativ, nicht analytisch, auch wenn sie analytisch wirken will.

        Ausblendung der betroffenen Akteure

        In der „Sündenbock“-Logik verschwinden:
        • die Ukraine als handelndes Subjekt,
        • osteuropäische Sicherheitsinteressen,
        • russische Zivilgesellschaft und Opposition.

        👉 Kritikpunkt: Der Fokus auf geopolitische Narrative verdrängt reale Opfer und Akteure.

        Was an der Darstellung berechtigt ist (zur Fairness)

        Dein Punkt ist nicht falsch, aber unvollständig:

        ✔️ Medien und Politik neigen zu Personalisierung
        ✔️ Strukturelle Ursachen werden oft verkürzt
        ✔️ „Putin = alles Böse“ ist analytisch bequem

        👉 Das trägt – aber nur als Ergänzung, nicht als Hauptthese.

        Präzisere Alternative (wenn du sie schärfen willst)

        Statt „Sündenbock“ wäre belastbarer:

        „Putin wird in westlichen Debatten stark personalisiert – was strukturelle Mitverantwortung anderer Akteure verdeckt, ohne jedoch seine eigene Verantwortung aufzuheben.“

        Das ist:
        • weniger angreifbar,
        • analytischer,
        • schwerer als „Relativierung“ zu diskreditieren.

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