06.05.20 # SPIEL mit GEDANKEN anderer #


Heute lasse ich noch einmal mein 287. ‘SPIEL mit GEDANKEN anderer‘ Revue passieren
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L e b e n s k u n s t

LEBENSKUNST
ist, PROBLEMEN
nicht auszuweichen,
sondern daran zu wachsen, …

wobei also



LEBENSKUNST
nicht nur etwas ist für
LEBENSKÜNSTLER!

Man sagt manchmal auch,



LEBENSKÜNSTLER
leben von den ZINSEN
eines nicht vorhandenen KAPITALS …

und zugleich



verstehen es LEBENSKÜNSTLER,
unaufschiebbare DINGE
solange aufzuschieben,
bis sie sich von selbst erledigt haben!

In so fern ist letztendlich auch



LEBENSKUNST
die FÄHIGKEIT,
auf etwas NOTWENDIGES
zu verzichten, um sich
etwas ÜBERFLÜSSIGES
leisten zu können!
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“Zu wissen,
was nottut und sich
von STÖRUNGEN fernzuhalten:
das ist LEBENSKUNST.“
[O. H.]

@ IDEE @ AUSFÜHRUNG @ TEXT / Foto u. Auswahl @ © PachT @

15.04.20 #Quo vadis Kirche?#


Dieser Tage erhielt ich über einen ehemaligen Schulfreund nachstehenden interessanten BRIEF eines Uni-Professors:

Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Günter H. Hertel / Sonntag, 29.03.2020
„Quo vadis Kirche? Kirche in der Krise – im doppelten Sinne“.
Offener Brief an die Gemeindevertreter der Kirchgemeinden des Wilsdruffer Landes.

Liebe Mitglieder des Kirchenvorstandes der Kirchgemeinden des Wilsdruffer Landes,
sehr geehrte Herren Pfarrer, Vikar und alle hauptamtlichen Damen und Herren in unserem Kirchspiel.

Gestern spät Abend erhellte sich die St. Katharinen-Kirche in Kesselsdorf im Scheinwerferlicht so wie immer in den Nächten des Wochenendes. Heute früh pünktlich um 10 Uhr läuteten die Kirchenglocken ebenso wie immer. Beide Symbole, das visuelle und das akustische, habe ich diesmal mit besonderen Gefühlen aufgenommen. Zum einen deshalb, weil ich im Rahmen eines Projektes „Wohnen & Arbeiten auf Probe“ in Görlitz nicht nur die reizvolle Stadt, sondern vor allem in den letzten zwei Wochen die Grenzstadt im Ausnahmezustand studiert habe und die vielen fleißigen Bürger, die grenzüberschreitende Solidarität, die verantwortlichen Entscheider auf beiden Seiten der Neiße, die tagtägliche Menschenfreundlichkeit erleben und wo immer meine Dankbarkeit einbringen durfte. Einen meiner dazu verfassten Berichte stelle ich Ihnen/Euch gerne zur Verfügung.

Ihr/Sie werdet(n) lesen, dass weder Kirche noch ihre Vertreter als Alltagshelden in meinem Bericht vorkommen, nicht weil ich sie übersehen habe. Befürchtung macht sich breit. Meine Sorge zur Zukunft unserer Gesellschaft resultiert nicht in erster Linie vom Corona-Virus, das freilich, weil Ursprung, Ausbreitung, Wirkung, Therapie bisher nahezu unbekannt, eine kaum zu unterschätzende Gesundheitsgefahr darstellt. Meine Befürchtung resultiert vor allem aus einer Gegenwart, in der sich Kirche offenbar selbst nicht mehr als systemrelevant einschätzt.

Jetzt, nach Wiederkehr vom Projektaufenthalt, erlebe ich mit ambivalenten Gefühlen meine Kirche, fast sprachlos, fast im Nichts. Die von mir wahrgenommenen Signale sind Nothandlungen der Trauung zu Dritt, der Beerdigung im kleinsten Kreis, der Telefonangebote der Pfarrer, dem sonntäglichen virtuellen Gottesdienst, der nur – wenn überhaupt – von internetaffinen Menschen beigewohnt werden kann. Vielleicht gibt es mehr. Vielleicht „macht Kirche mehr“, vielleicht bin ich ungerecht.

Aber was ist denn der Auftrag der Kirche? Mehr noch als in „normalen“ Zeiten muss sie doch in der Krise präsent sein, ihren Auftrag im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes erfüllen? Ein Groß-Unternehmen, wie die Kirche, kann sich doch nicht hinter Corona-Mauern verkriechen! Andere lebenswichtige Bereiche wie Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime, Lebensversorgung und Logistik, öffentlicher Verkehr, Verwaltung, Politik, Rundfunk und Fernsehen, Presse, Justiz, Polizei, Feuerwehr usf. kommen doch auch ihrem Auftrag nach. Sie konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft, wie der Wirtschaftsexperte sagt. Und sie tun es mit Energie, Verantwortungswahrnehmung, großen, z.T. bis an die physischen und mentalen Grenzen gehenden Kraftaufwendungen, wie ich es in GörlitZgorzelec, der Doppelstadt an der Neiße, beim Betreuen der vom grenzüberschreitenden Stau Geplagten mit Bewunderung sah. Und solche Menschen wachsen über sich hinaus, entwickeln eine erstaunliche Kreativität, um ihr Kerngeschäft in allergrößter Verantwortung zu erfüllen, nicht abwartend, was politisch „von oben“ kommt, sondern handelnd.

Was macht Kirche? Was sollte Kirche jetzt tun? Konzentriere sie sich auf ihr Kerngeschäft! Ostern steht vor der Tür, Martertot, Kreuz und Auferstehung, Glaube, Liebe und Hoffnung!
Ich erwarte unter Einhaltung größter hygienischer Vorkehrungen, dass am Ostersonntag, ein Auferstehungsgottesdienst in unserer größten Kirche des Wilsdruffer Landes stattfindet.

Mehr Kreativität als bisher dürfen wir gerne einbringen:

2020-03-29_Kirche-in-der-Krise_Offener-Brief_KS-Wilsdruffer-Land 1 von 2

  • Die Ausschmückung der Kirche mit Tulpen und anderen Frühlingsblumen würde die außer Haus liefernden Gärtner in ihrer prekären Situation entlasten und den Auferstandenen bekennen.
  • Anstatt die unter Folie und mit Desinfektionsmitteln verpackten Gesangbücher anzufassen, werden Texte, Lieder und Noten mittels Beamer an die Wand oder Leinwand projiziert.
  • Vor den Eingangstüren stehen Kirchenvorstände mit Mundschutz und achten auf den notwendigen medizinischen Mindestabstand der Gottesdienstbesucher.
  • An den Eingangstüren müssen alle Gottesdienstbesucher berührungsfrei ihre Hände desinfizieren (können). Handschuhe werden wie bei den meisten Supermärkten verfügbar sein.
  • Die Bänke sind vor dem Ostergottesdienst durch eine professionelle Firma desinfiziert worden.
  • Nur jede zweite Bank wird im alternierenden Wechsel mittels Absperrband freigegeben.
  • Die Mindest-Sitzplatzabstände von 1,50m bis 2m zwischen den Gottesdienstbesuchern werden von Kirchenvorständen peinlichst genau eingefordert.
  • Zur Erhöhung der Sicherheit und der Durchsetzung geltenden Rechts wird zusätzliches externes, professionelles Sicherheitspersonal geordert. Es werden keine 1000 Besucher kommen!
  • Die FFW Kesselsdorf, Grumbach und Wilsdruff werden um Unterstützung ersucht.
  • Predigt, Liturgie, Verkündigung und Segen geschehen akustisch und visuell im Altarraum durch beide Pfarrer, die selbstverständlich auch alle gebotenen Sicherheitsmaßnahmen einhalten.
  • Die Orgel wird von unserer bewährten Kantorin Andrea Klose zur Ehre Gottes gespielt; sie – die Orgel natürlich – ist an den entscheidenden Stellen zu desinfizieren.
  • Die Kollekte wird berührungsfrei mittels „Kollektomat“ erbeten (wie in Grumbach eingespielt).
  • Schließlich ist das Gesamtkonzept zwischen den kirchlichen Verantwortlichen (beide Pfarrer Weinhold und Geisler, Vikar Rehm sowie dem Kirchgemeindevorstand einerseits mit Bürgermeister Rother, Stadtwehrleiter Arnhold, und Staatsminister Prof. Wöller andererseits vorzubereiten, um es abzusichern. Denn, da wird es wahrscheinlich noch mehr zu regeln geben als ich hier skizziere.
  • Schnellstens ist ein Kommunikationskonzept zu erstellen, genehmigen zu lassen und umzusetzen. Denn es geht um wesentlich mehr als diesen einen Gottesdienst! Ostern steht vor der Tür! Gottesdienst ist die Kernaufgabe der Kirche. Lest, was in unserem Gesangbuch auf S. 761ff. zum „Gottesdienst an Sonn- und Festtagen“ als Präambel steht: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20). Im Vertrauen auf diese Verheißung versammelt sich die Gemeinde zum Gottesdienst am Sonntag als dem Gedächtnistag der Auferstehung Christi.“ Wenn dieses doppelte „Versammeln“ nicht genug und deutlich ist, dann verabschiedet sich Kirche „nach Corona“ ins Nichts, zumindest aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein, weil sie in der Krise versagt hat.
    Aber Kirche war bislang immer der Hort der Seelsorge, gerade in viel schlimmeren Krisenzeiten, in und nach Kriegen, auch in und nach Epidemien. Wir brauchen jetzt nicht Verzagtheit, sondern das Vertrauen in Gottes Kraft, Kommunikation und Kollaboration mit allen Entscheidungsträgern! Ich bete und bitte darum, dass wir alle zusammen, „nicht gegen den Kaiser, was des Kaisers ist“ stehen, sondern zur Ehre Gottes, und auch, damit wir nicht einfach „nach Corona“ so weitermachen wie vorher, sondern mit einem veränderten, mehr denn je Gott zugewandtem Lebensstil aufwachen aus dem Gott verdrängenden vermeintlich immer höher Machbarem, Verfügbarem, Kontrollierbarem und Beherrschbarem.
    Mit Gottes Segen für uns alle Euer/Ihr Günter Hertel.

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    P.S.: Ich sende diesen Brief […] an beide Pfarrer, den Vikar, die Kantorinnen, Gemeindepädagogen, die Mitarbeiterinnen im Pfarramt, das ev. Kinder- und Familienhaus sowie den Kirchenvorstand jeweils per öffentlich benannter email-Adresse sowie an alle Chormitglieder des Wilsdruffer Landes mit email-Zugang, allerdings wegen Datenschutzgründen in bcc.

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“In der NOT ist WENDIGKEIT
eine NOTWENDIGKEIT.“
[B. G.]

@ IDEE @ AUSFÜHRUNG @ TEXT / Fotos @ © PachT @